Wir sitzen in einem Café, es ist ein normaler Freitagabend, und wir trinken Kaffee. Du einen Cappuccino, ich einen Milchkaffee. Wir sitzen uns in einem Café and einem Tisch am Fenster gegenüber, erzählen über Gott oder doch eher über die Welt, und schauen dabei eigentlich mehr in unsere mittlerweile mit kaltem Kaffee gefüllten Kaffeetassen, als uns gegenseitig in die Augen. Deine sind blau, ich habe darauf geachtet, obwohl ich normalerweise nicht auf Augenfarben Acht gebe. Die Farbe deiner Augen allerdings, dieses blau, ist ein ganz besonderes.
Ich schaue zum Fenster hinaus, draußen reges Treiben auf einer verschneiten Straße, im Hintergrund läuft die typische Kaffeehausmusik. Neben uns sitzt ein älterer herr, in Anzug und Krawatte, der seine Zeitung studiert, den Kulturteil, wenn ich mich nicht irre. Im Hintergrund außerdem die Stimmen der anderen Gäste, die, obwohl nicht viel Betrieb ist, übermäßig laut sind.
Und dann schauen wir uns an. Es ist nicht so wie vorher, ich sehe nicht deine Augen, deinen Mund, deine Nase, deine Haare, den Schmuck und alles andere, ich sehe dich.
Ich sehe dich und ich bin fasziniert.
Ich kann mich nicht losreißen. Unsere Augen treffen aufeinander, verharren. Minutenlang, so empfinde ich es zumindest. Ich sehe nicht deine Augen, ich sehe dich. Wir schauen verschämt in unsere Kaffeetassen. Sie sind leer, Zeit, zu gehen.
Wir gehen hinaus. Die Mütze und der Schal verdecken dein Gesicht fast vollständig. Wir laufen. Durch den Schnee, unter gelb leuchtenden Straßenlaternen, einfach die Straße entlang. Es ist kalt, aber davon spüre ich nichts, ich spüre nur die Wärme, die von dir ausgeht. Hinter uns Fußstapfen im Schnee, in exakt gleichem Abstand, wir laufen synchron. Es ist ruhig. Wir laufen. Unsere Hände sind sich nah, berühren sich, unsere Finger verschränken sich ineinander. Wir kommen an deiner Haustür an, unsere Hände trennen sich, unsere Gesichter kommen sich näher, unsere Lippen berühren sich.
Dann bist du weg. Im Haus. Und ich davor.
Was bleibt ist ein Gefühl.
Das Gefühl.


