Es

Und wir Zweibeiner, Leute, Menschentiere, mit unserem bisschen roten Saft, mit unserm bisschen Wärme und Knochen und Fleisch und Muskel, wir halten das aus.
Unsere Verwesung ist beschlossen, unbestechlich, und: Wir pflanzen.
Unser Verfall kündigt sich an, unwiderruflich, und: Wir bauen. Unser Verschwinden, unsere Auflösung, unser Nichtsein ist gewiss, ist notiert, unauslöschlich – unser Nicht-mehr-hier-sein steht unmittelbar bevor, und: Wir sind. Wir sind noch. Wir haben den unfassbaren Mut: Und sind.
Und der Zerfall der unberechenbare verspielte Gott über uns, der Zufall, der grausam gewaltige Zufall balanciert betrunken auf den Dächern der Welt. Und unter den Dächern sind wir Sorglosen mit unserem unfassbaren Glauben.
Ein paar Gramm Gehirn versagen, zwei Gramm Rückenmark meutern: und wir alle sind lahm. Wir sind blöd. Steif. Elend. Aber wir lachen.
Ein paar Herzschläge kommen nicht: Und wir bleiben ohne Erwachen, ohne Morgen. Aber wir schlafen – zuversichtlich. Tief und tierisch getrost.
Ein Muskel, ein Nerv, eine Sehne setzt aus: Wir stürzen. Abgrundtief, endlos. Aber wir fahren, wir fliegen und schwanken breitspurig auf den Planken der Schiffe.
Dass wir so sind – was is das, du? Dass wir so sein können, dass wir so sein müssen – keine Lippe gibt das frei.
Ohne Lösung, ohne Grund, ohne Gestalt ist das.
Und wir? Wir sind. Sind dennoch, immer noch. Oh, du – wir sind immer noch. Immer noch, du, immer noch…

– W. Borchert

Zu alt und zu jung für das, was er ist.